Vorrede

VORREDE: DR.MEINGAST, DEINGAST UND ANDERE



Oft tappt man in eine Falle, wenn eine Idee bereits vor der Tür steht. Hier gibt es zwei: kulturelles Erbe und Identität. Man muss nicht hindurchgehen - das Medium lässt es zu - man kann auch drinnen bleiben und spielen.

Zwei große Autoren kommen in den Sinn: Robert Musil und Ludwig Klages. Bei Musil sind es die Theorien über "Nachruhm" in "Die drei Frauen" (1952), bei Klages die "Rhythmen und Runen -Aus dem Nachlass (1944)".

Grosso modo, Musil reflektierte sein Scheitern mit dem Untergang der Donau-Monarchie und den Machenschaften des NS-Regimes in Deutschland. Still sah er sich als gepriesenen, aber unbekannten Autor. Sein Schweizer Exil änderte daran nichts, doch der Ruhm der Nachwelt war ihm sicher. Klages hingegen war längst Schweizer Staatsbürger geworden und doch in Deutschland vor 1945 ein überaus bekannter, ja berühmter Philosoph. Seine "Rhythmen und Runen" wurden kurz vor Kriegsende gedruckt. Darin fischte er aus der Masse seiner Manuskripte von vor 1915, bis auf einen kurzen Briefaufsatz über Adalbert Stifter von 1918..

Es geht mir hier nicht um Wirkung meiner eignen veröffentlichten Werke. Ich präsentiere hier zum Teil ältere Schriften, zum Teil aktuelle Texte an diesem fröhlich "schimmernden" Ort. Warum aber Musil und Klages? Sie sind jenseits von Freud ‚monumantale‘ Psychologen des frühen 20. Jahrhunderts, und wir die Findergeneration der Nachkriegszeit, feierten mit Ihnen ein eigenes Erwachen.

PETTHAL? Mein Einflüsterer der besondern Sorte! Sie werden ihn erleben. Er war unter uns ein wandelndes Lexikon der Literatur und Philosophie, Mitschüler und Einflussfaktor in der Endphase am Gymnasium. Er fällt aus meiem Rahmen der sonst hier Meingast oder Deingast genannten Begegnungen heraus. Mit ihm lasen wir Musil und Klages. Bei ihm konnte man sich aber nie sicher sein, ob seine hellen Urteile wirklich seine eigenen waren. Wie oft zitierte er Musil: "Ich lebe um zu Rauchen" (1952, 102) mit seiner Reval im Mund. Ja, seine Vorliebe für Mozart schien er mit Adalbert Stifter zu teilen, nur um Beethoven klein zu reden: "Mozart teilt mit freundlichem Angesichte unschätzbare Edelsteine aus und schenkt jedem etwas: Beethoven aber stürzt gleich einem Wolkenbruch von Juwelen über das Volk, dann hält es sich die Hände vor den Kopf, damit es nicht blutig geschlagen wird, und geht am Ende fort, ohne den kleinsten Diamanten erhascht zu haben“ (In: Feldblumen , "Erzählungen in der Urfassung", (Hrsg. Max Steff, Bertelsmann. S. 65).









Petthal hatte große Auswirkungen auf meine eigene Einstellungen; er pflegte seine Melancholie und seinen Sarkasmus auszuleben so, wie sie kamen. Von daher Verständnis bitte für meine Intention: Es muss ein Denkmal her für den so früh gestorbenen Petthal, auch wenn er fast alle ‚großen‘ Deutschen vom Sockel stoßen wollte!

Wie es der Zufall will, taucht Ludwig Klages mit dem Namen „Dr. Meingast“ in "Der Mann ohne Eigenschaften" auf. Was war hier zugefallen? Clarissas Einfluß? Klages und Musil verstanden sich zur Studienzeit noch als Naturwissenschaftler. In den 1920er/30er Jahren fanden sie sich – auch psychologisch – auf sehr gegesätzlichen Pfaden wieder, wobei ihnen die Suche nach moderner Verschränkung von Leben und Wissenschaft auf sehr verschiedene Weise migespielt hat. Das große Thema ihrer Zeit, dessen Nachwirken wir heute erst richtig spüren, war angefasst. Kurz, ich fand "Dr. Meingast" als Name so schön, dass ich mich gut, ich sollte sagen, großartig fühle, wenn ich mich damit schmücke.

Für Counter Shimmering also gilt – ohne Systematik - "Dr. Meingast" als Verfassername. Aber - denken Sie mit mir - was wäre ein "Meingast" ohne ein „Deingast“. Schließlich bedürfen wir, der dialogischen Konfigurationen. „Dr. Deingast"? Es kommt ja oft vor, dass man Gesichtern begegnet, die einem seit langem vertraut sind. Da sind Menschen, die man vielleicht kaum wiedererkennt. Einige von ihnen stehen einem noch nahe, andere tauchten von Ferne plötzlich als Autoren, Künstler, Verleger oder etablierte Professoren auf. Frauen? Ja, auch Frauen! Man verzeihe mir, sie werden hier auf demokratische Art einbezogen, ohne ihren Rang zu schmälern.

„Deingast" - ich hoffe, der Leser wird mir das verzeihen - ist also ein multivariat eingebauter Gesprächspartner, dem ich die Gastfreundschaft, die ich einmal genossen habe, zurückgeben möchte. Eine Einladung zum Wandern zwischen Fiktion und Realität!

 







FOREWORD: DR.MEINGAST, DEINGAST AND OTHERS


You often fall into a trap when an idea is already on the doorstep. Here there are two: cultural heritage and identity. You don't have to go through it - the medium allows it - you can also stay indoors and play.

Two great authors come to mind: Robert Musil and Ludwig Klages. With Musil it is the theories of "Nachruhm" in "Die drei Frauen" (1952), with Klages it is the "Rhythms and Runes -From the Estate (1944)". Grosso modo, Musil reflected his failure with the downfall of the Danube monarchy and the machinations of the Nazi regime in Germany. Silently he saw himself as a praised but unknown author. His Swiss exile did not change this, but he was sure of the fame of posterity. Klages, on the other hand, had long since become a Swiss citizen and yet in Germany before 1945 he was an extremely well-known, even famous philosopher. His "Rhythms and Runes" were printed shortly before the end of the war. In it he fished from the mass of his manuscripts from before 1915, except for a short letter essay about Adalbert Stifter from 1918.

I am not concerned here with the effect of my own published works. I present here partly older writings, partly current texts in this cheerfully "shimmering" place. But why speak of Musil and Klages? They are beyond Freud 'monumental' psychologists of the early 20th century, and we, the finder generation of the post-war period, celebrated our own awakening with them.

PETTHAL? My special kind of whisperer! You will experience it. He was among us a walking encyclopedia of literature and philosophy, a fellow student and influential factor in the final stages of Gymnasium. He is out of the scope of the encounters with those who are called here “Meingast” or “Deingast”. Together with Petthal we read Musil and Klages. But with him one could never be sure whether his bright judgments were really his own. How often he quoted Musil: "I live to smoke" (1952, 102) with his Reval-cigarette in his mouth. Yes, he seemed to share his fondness for Mozart with Adalbert Stifter, just to belittle Beethoven: "Mozart hands out priceless gems with friendly faces and gives something to everyone: But Beethoven, like a cloudburst of jewels, plunges over the people, who then hold their hands in front of their heads so that they are not beaten bloody, and finally leave without having caught even the smallest diamond" (In: Feldblumen , "Erzählungen in der Urfassung", ed. Max Steff, Bertelsmann. p. 65). Petthal had great effects on my own attitudes; he used to live out his melancholy and sarcasm as they came. So please understand my intention: There must be a monument for Petthal, who died so early, even if he wanted to push almost all the 'great' Germans off their pedestals!

 







As chance would have it, Ludwig Klages appears with the name "Dr. Meingast" in "The Man Without Qualities". What had happened here? Clarissa's influence? Klages and Musil understood each other as natural scientists when they were students. In the 1920s/30s, they found themselves - - psychologically - on very contrasting paths, whereby the search for modern entanglements of life and science played strong on them in very different ways. The great theme of their time, the effects of which we can only really feel today, was touched here. In short, I found "Dr. Meingast" such a beautiful and impressive name that I feel good, I should say, great, when I adorn myself with it.

So for Counter Shimmering - without any system - "Dr. Meingast" is the author's name. But - think with me - what would a "Meingast" be without a "Deingast" After all, we need the dialogic configurations. "Dr Deingast"? It's not unusual to encounter faces that have been familiar for a long time. There are people you may hardly recognize. Some of them are still close to me, others suddenly appeared from afar as authors, artists, publishers or established professors. Women, yes, women too! Forgive me they are included here in a democratic way, without diminishing their rank.

So "Deingast" - I hope the reader will forgive me for this - is a multivariate built-in interlocutor to whom I would like to return the hospitality I once enjoyed. An invitation to wander between fiction and reality!



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