POEMS AND STORIES

POEMS AND STORIES


Campo de fiori und danach
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Davos
von M. E. Stroughton
 Adorno – A Sketch by M.E. Stroughton

Nierstein
Aus den Strudeln heraus
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Wo doch...
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Dolce Vita 1
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Dolce Vita II
Hildegard Feick in Darmstadt

Meingast erinnert das Bild einer Frau, durch die er als junger Mann Heidegger vorgestellt wurde. Er war sich seines Stolzes nicht bewußt, merkte aber über die Jahre, dass das Ereignis innere Eigenwirkungen erzeugt hatte und später gar die rationalen Blockierungen löste, mit denen er Heidegger aus seiner Vorstellungswellt verdrängt hatte. Jetzt meinte er gar, ihn habe eine eigenartige, phantasmagorische Energie getroffen:

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Poesie und Polemik der Killer-Drohnen und roten Wolken (2013)*
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SORRENTINER GESÄNGE  (VOM BOOT) I

 

Erster Teil


 

I

(Angekommen)
  


Volare! Cantare! – Si!

So fliegen wir so singen wir der Sonne uns entgegen

Einsam sinnend in Gesängen der Kindheit

Capri-Bilder rot und schlüpfrig

Allzumenschliches aus Sorrent

Von innerer und äußerer Not des Selbst in ewiger Wanderung  

Von Öl-verschmierten schwarzen Fischen

Migration in Jahrtausenden

Über das mediterrane Meer

Vom Kahn mit bewegten Händen rührend

Und dann die Großen Worte des Empfangs am Ufer

Richten Sie sich ein

 

II

(Meingast, ein Ethnologe fühlt sich nach Sorrento gerufen. Er gewinnt eine gewisse Souveranität

seinem Fach gegenüber, und wird plötzlich sein eigner Herr. Er fühlt das Bedürfnis, den Menschen

und dem Ort mit Ehrfurcht zu begegnen. Zuerst muss er sich mit den Zuständen am Ort versöhnen,

dann sichtet er die ankommenden Bootsflüchtlinge. Alles  nimmt eine eigenartige Richtung an.

Seine Visionen fliegen ihm davon mit allem, was ihm die Menschen erzählen.

Ach, was kommt da auf ihn zu? Geschichten, gebilligter und nicht gebilligter Art.

Sind es Urzustände der mediterranen Psychologie und Ästhetik? In eigentümlichen Fragmenten versucht er die Wellengänge des Mittelmeers aus den Gedächtnisfetzen der Geretteten zu lesen.)



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SORRENTINER GESÄNGE (VOM BOOT)

Second Part



III

(Meingast, kaum mehr Ethnologe, versucht ein erstes Interview

Mit einer gerade vom Boot gekommenen, schönen, aber verwirrten Frau:) 
  

Ach, komm doch ans Land.

Ich zieh dich heraus;

Will wissen, wer Ihr seid,

Von wo Ihr kommt?

Oh, wirklich, so bunt, so braun;

Vom ew‘gen Wasserschimmer so benommen.

Und sänge gern mein Lied dir lächelnd zu,

Wenn weinend du mich triffst.

Doch, sag an, wo kommst du her?

Warum?



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SORRENTINER GESÄNGE (VOM BOOT)

Third Part



IV

(Boy. ein Junge liegt am Strand, als stürbe er vor Hitze)

 

Nun, wein‘ doch nicht, mein liebes Kind

Was machst du hier am Zaun

Kannst flach nicht vor der Sonne liegen

Spurt‘ dich und geh‘ zum Offizier

 

Oh, nein, mein Herr, du siehst’s

Es ist ein arges Zucken und ein Zittern mir

Im Rücken und den Beinen

Vom Meer geschlagen und der Sonne

Lag ich im Boot als Vater, Mutter mir genommen

Du siehst’s es fehlt mir Kraft und Wille

Mich Deiner Gnade anzutrauen

 

Es ist nicht Gnade, Boy

Du kannst nicht hier mit flachem Körper auf der Erde weilen

Du musst hier raus

 

Wie kann ich, Herr, hier raus

Wenn überall doch Zäune sind

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SORRENTINER GESÄNGE (VOM BOOT)

Forth Part



V

(Der Junge kommt zurück)

 

Heh, Boy, hast du Deinen Weg noch immer nicht gefunden?

Hinaus aus diesem Lager!

 

Wer nimmt mich, Herr, ihr seid so sehr beschäftigt.

Und von den Vielen seh ich keinen, der bereit sei,

für mich zu sorgen und eine Herberge mir zu bieten!

 

Du kannst nicht hier sein in Nacht und Wind,

Und unter den Kohorten

Wie kannst Du Dich da schützen?



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UND ZULETZT NOCH BEIRUT, WIEDER



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SOMMEREINFALT

 



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Musique

Meingast war kürzlich zu Besuch bei Hannah D., sie wusste nicht, wie es mit ihr weitergehen sollte in diesem, wie sie sagte, ‚unseren Land‘. Sie kam sich plötzlich nach ihrer Promotion vor wie in der Hölle eines Dauerzirkuses.

-Akademische Superperformanz gefragt, quasi ohne Aussicht auf eine Stelle. -Erhöhung des orientalisch religiösen Zwangs zu Hause und vermehrte Gleichschaltung unter Sanktionen. -In der großen Politik zunehmend das Machtspiel zwischen Beschimpfung, Hungersanktionen, Kriegsdrohungen und Gifttode, Kleidersymbolik, Selbst-Orientalisierung als Handlungs-bergenzende Faktoren im neuen – transnational aufgeblähten Ost-Westkonflikt, zählte sie auf.

Auf dem Weg zu ihr streifte Meingast durch den Park, sammelte ein paar Kastanien und sinnierte auf einer Bank. Er hantierte mit den Kastanien. Vielleicht würde eine Figur daraus, die er ihr einmal schenken könnte. Sie hatte ihm wirklich Sorgen gemacht, als sie ihn zum Tee einlud.


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HENNAH zum Beispiel oder die Versetzung zur Oberstufe

Du wärst am Berg mir nie begegent. Vielleicht im Garten Deiner Mutter, Johannisbeeren unter den Ohren. Und jetzt doch nur noch schlank, zurückhaltend, graziös im Morgentraum mit schwarzen Locken bleib ich sehend, suchend, Dich erinnernd.


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Reformation 20


Nässe, Herbstlaub und doch singen

Hängt im Baum und fällt im Regengold

Der Park ist leer, die Glocken klingen

Die Wasservögel flattern; Wellenmeer


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Exiled Mind

SECHS GEDICHTE*

Aus Etzen-Gesäss Kairo und Frassino (2008/9)

*aus den Blättern von Maurice Evelyn Stroughton


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CONSTITUTION 01\06



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VERKLUNGENE DICHTERLIEDER MIT CHORLEITER KREISEL

 

Hörend die Stimme eines erhöht schwebenden Baritons

„Wenn ich in deine Augen seh‘, so schwindet all mein Leid und Weh‘...“

Schwingt mir die Stimme eines älteren passionierten Sängers ins Ohr.

Chorleiter Kreisel singt vor, den Chor des Gesangsvereins einstimmend.

Es tönt die Melodie eines Schumann-Lieds.


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West-side story 1992

 

Jede Minute schicke ich ein Gebet zu Benjamin Franklin

Auf den Poren meiner Haut zähle ich die

Sekunden, die meinem Körper die eingepowerten Cents lieferten

Doch es bringt nichts, es reicht gerade zum einen Bier in der Plazza-Bar,

NY – kurz mit Verlaub damals


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Andacht

 

Jetzt bete ich nur noch Sandkörner an

Rolle mich in Wüstendünen

Pflege Bergkristalle aus der Arktis

Und sammele bunte Steine im Revier

 

Dann jage ich Puste-Blumen-Sternen hinterher

Ehrlich und ohne Katzenjammer

Als wär’s

My money

In Memoriam Bernard Guillot


Würde des scheinenden Blicks

Über die Uralt-City

Worldliness am Abgrund

Es fallen die silbernen Strahlen von Gizeh

Nach Gamaleyya herüber

 

The Saint-Simonian micro-cosmos

Menilmontant und die

Couscous-Festmahle am

Vantage point der Marginalität

 

Die schützende Präsenz unter den

Sans Papiers, den über die Alpen

Gekommenen Legionen

Aus Tanta und den umliegenden Dörfern

(man denke an die Home-Welt des Mohamed Salah)

 

Im dunklen Wald von Versailles noch

Entdeckte er das ewige Licht

Und konnte doch mit einem

Hühnerleberfrühstück beglückt sein

In der Husaini-Street des Naguib Mahfuz

 

In Memoriam Bernard Guillot


Vom Morgen des mehr als 104ten Tages

 


Es schwindet das Silber-Blau am Wolkenrand

Die millipedalen Tausendfüßler machen das Rennen und

Erweitern das Straßenband

Die Friedenswelle schwappt hinüber auf Krieg

Da sind die Frauen; sie sprechen von Sieg, und

Männer, die meinen, es sei nur durch Waffen, dass uns Friede wird geschaffen

 

„Europas Edelfäule“ kommt in den Sinn

Mecedes-Wagen, die Moskau öbermannen

Die Hunde rennen zum „fight“ von den Leinen

Es richt nach Haut und Knochen

Moder von verhungerten Gäulen

 

Wie stünd‘ ich allein im Frevel der geblendeten Ruinenstadt

Den Schweiß mir von der Stirne streifend

Wie könnt‘ ich euch das „Wir“ noch sagen

Weiß ich doch nicht

Von wo kam „der Befehl zu sinken“   

 

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